Logbuch
Ursprünglich dient ein Logbuch in der Seefahrt zur Dokumentation und Archivierung von Fahrgeschwindigkeit, zurückgelegter Strecke sowie täglicher Ereignisse. Es ist chronologisch aufgebaut und dient als Beweismittel.
Auch das Foto in seiner klassischen Funktion dient als „Beweis“ für die Existenz eines Dinges, eines Raumes, einer Begebenheit oder eines entscheidenden Moments.
In der Fotoserie ‚Logbuch‘ wird dieser Beweischarakter durch verschiedene ästhetische Mittel wie z.B. Unschärfe oder Verzicht auf Farbigkeit unterwandert. Eindeutigkeit weicht Ungewissheit, so dass die Fotos stofflich und schwebend wirken und sich weg von der Dokumentation ins Abstrakte bewegen. Die Grenze zwischen den Medien Fotografie und Zeichnung verschwimmt und die Bilder wirken wie mit der Kamera ‚gezeichnet‘.
Während der Ort, der Raum oder die Szene statisch bleiben, markiert das Licht – oder seine Bewegung darin – das Vergehen der Zeit und verweist auf das Abwesende. Die Kamera wird zum Seismographen der Stille.
Die im ‚Logbuch‘ gezeigten Orte wirken oft wie Schwellen- oder Transiträume. Sie gehören weder ganz der Vergangenheit noch der Gegenwart an und verweisen auf die menschliche Existenz als einem ständigen „Dazwischen“, auf die Ortlosigkeit als Seinszustand. Gleichzeitig wirken sie wie ein visuelles Äquivalent psychischer Zustände. Wie im menschlichen Gedächtnis lagern sich Eindrücke übereinander. Die Unschärfe in den „Logbuch“-Bildern erinnert an die menschlichen Verarbeitungsprozesse des Verblassens und Verdichtens. Nicht alles wird exakt gespeichert und gesehen. Erinnert wird das, was emotional nachschwingt.
Die Fotos fordern tiefe Aufmerksamkeit, ein fast subversives Innehalten. Die Bilder verweigern die fertige Antwort (das scharfe Motiv) und nehmen den Betrachter in die Verantwortung der eigenen Wahrnehmung. Geworfen in eine Szenerie, die keine Anweisungen gibt, sind die Betrachter letztlich allein für deren Deutung verantwortlich.
Wie ein kollektives Déjà-vus – jeder kennt das besondere Licht eines nächtlichen Hotelzimmers oder die Stille eines leeren Platzes – verweisen die Bilder auf eine universelle Ikonographie der Einsamkeit und des Unterwegsseins.
Wie in einem visuellen Gedächtnisspeicher werden in der Serie Logbuch die ‚kleinen‘ Momente der uns als Menschen verbindenden Erfahrung der Zeitlichkeit und der Suche nach Vergewisserung in einer durch Impermanenz gekennzeichneten Welt archiviert.
Logbuch
In maritime contexts, a logbook is primarily used to document and archive voyage speed, distance traveled, and daily events. It is organized chronologically and serves as evidence.
In its classical function, the photograph also serves as “evidence” of the existence of an object, a space, an event, or a decisive moment.
In the photo series ‘Logbuch’ this evidential character is subverted through various aesthetic means, such as blurring or the absence of color. Unambiguity gives way to uncertainty, so that the photos appear material and suspended, moving away from documentation toward the abstract. The boundary between the media of photography and drawing blurs, and the images appear as if “drawn” with the camera.
While the location, the space, or the scene remains static, the light—or its movement within it—marks the passage of time and points to the absent. The camera becomes a seismograph of silence.
The places depicted in the ‘Logbuch’ often appear as liminal or transitional spaces. They belong neither entirely to the past nor to the present, and point to human existence as a constant “in-between,” to placelessness as a state of being. At the same time, they seem like a visual equivalent of psychological states. Just as in human memory, impressions layer upon one another. The blurriness in the ‘Logbuch’ images evokes the human processes of fading and condensation. Not everything is stored and seen with precision. What is remembered is what resonates emotionally.
The photographs demand deep attention, an almost subversive pause. The images refuse to provide a ready-made answer (the sharply defined subject) and place the responsibility for interpretation squarely on the viewer. Cast into a scene that offers no guidance, viewers are ultimately solely responsible for interpreting it.
Like a collective déjà vu—everyone knows the special light of a hotel room at night or the silence of an empty square—the images point to a universal iconography of loneliness and being on the move.
Like a visual memory bank, the Logbuch series archives the