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Zeichnungen

 

Ausgangspunkte der Arbeiten aus der Serie ‚Zeichnungen‘ sind Fotografien, aufgenommen auf meinen Reisen. Im Zentrum der Bilder steht oft der unscheinbare Augenblick, die unmerkliche Präsenz alltäglicher Dinge, Orte und Stimmungen.

 

Der Versuch diesen fotografisch zu bewahren erweist sich dabei als unzureichend und produziert im Augenblick des Belichtens nur noch ein Abbild als Skizze für die Erinnerung an den eigentlichen Moment. Im Bemühen, diesen ins Bewusstsein zu holen, verändern wir ihn, so dass eine neue, eine andere Präsenz entsteht.

 

Im Prozess der Bearbeitung der fotografischen Skizze und des Zeichnens werden Erinnern und Neuerschaffen sichtbar.

Während das Foto eine Szenerie im Sekundenbruchteil dokumentiert, benötigen die großen Zeichnungen Monate. 

 

Durch feine Abstufungen des Lichts, das auf sie fällt, werden Dinge, Räume und Szenerien in Grautönen modelliert, oft an der Grenze, an der sich das Motiv langsam aufzulösen beginnt. Ein Faltenwurf, eine Landschaft oder ein Objekt wird zur reinen Textur, zur Rhythmik von Hell und Dunkel. Was aus der Ferne fotografisch wirkt, löst sich in der Nähe ins Abstrakte auf. 

 

Der Bleistift gehört zu den einfachsten Werkzeugen des Bildermachens. Der Graphit – gepresster Staub – wird mit unterschiedlichem Druck und variierender Dichte auf das Papier aufgetragen. Der Bleistift selbst verschwindet.

Das Zeichnen wird zum Akt der Aneignung von Zeit und verleiht der Vergänglichkeit des Moments physisches Gewicht. 

 

Die Fragilität der Zeichnung entspricht der Flüchtigkeit des vergehenden Moments, die monatelange Arbeit mit dem Bleistift dem Versuch des Festhaltens des Abwesenden, das Ergebnis einer neuen Verortung in der Gegenwart.

 

Die Bilder lassen sich nicht auf den ersten Blick erfassen, sondern fordern in ihrer radikalen Stille ein Innehalten. Sfumato und Unschärfe, der Verzicht auf Farbe und geographische Verortung erzeugen gleichermaßen Ungewissheit und Offenheit.

 

Die menschenleeren Szenerien wirken zugleich vertraut und fremd. Es sind Transiträume menschlicher Existenz, Resonanzräume, die mit eigenen Erinnerungen und Sehnsüchten gefüllt werden können. Die Ortlosigkeit im Bild wird Brücke zur Innenwelt der Betrachter, die hier ihrer eignen Existenz in der Zeit begegnet.

 

Verstehen und Erinnern können immer nur eine Interpretation im Nachhinein sein und damit eine Neukonstruktion, die den philosophischen Dialog mit sich selbst und dem Unverfügbaren voraussetzt.

Zeichnungen

 

The works in the series ‘Zeichnungen’ are based on photographs I took during my travels. At the heart of these images is often an unremarkable moment—the subtle presence of everyday objects, places, and moods.

 

The attempt to preserve this photographically proves insufficient and, at the moment of exposure, produces only an image as a sketch for the memory of the actual moment. In our effort to bring this into consciousness, we alter it, so that a new, different presence emerges.

 

In the process of editing the photographic sketch and drawing, remembering and re-creation become visible.

While the photograph documents a scene in a fraction of a second, the large drawings take months.

 

Through subtle variations in the light that falls upon them, objects, spaces, and scenes are rendered in shades of gray, often at the point where the subject begins to dissolve. A drape, a landscape, or an object becomes pure texture, the rhythm of light and dark. What appears photographic from a distance dissolves into the abstract up close.

 

The pencil is one of the simplest tools for creating images. Graphite—pressed dust—is applied to the paper with varying pressure and density. The pencil itself disappears.

Drawing becomes an act of appropriating time and lends physical weight to the transience of the moment.

 

The fragility of the drawing mirrors the transience of the fleeting moment; the months of work with the pencil represent an attempt to capture the absent, the result of a new positioning within the present.

 

The images cannot be grasped at first glance, but in their radical stillness they demand a pause. Sfumato and blurring, the absence of color and geographical location, create both uncertainty and openness.

 

The deserted scenes seem both familiar and foreign. They are transitional spaces of human existence, resonant spaces that can be filled with one’s own memories and longings. The placelessness in the image becomes a bridge to the viewer’s inner world, where they encounter their own existence in time.

 

Understanding and remembering can only ever be an interpretation in retrospect and thus a reconstruction that presupposes a philosophical dialogue with oneself and the unapproachable.

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